Am 12. Juli 2021 wurde RERO ILS in der Version 1.4 erstmals produktiv eingesetzt – in den Bibliotheken des Walliser Bibliotheksverbunds, des RBNJ (Neuenburg-Jura) und von Bulle. Fünf Jahre später, auf den Tag genau, ist das System bei Version 1.29.0 angekommen — 25 « grosse Schritte » weiter. Ein guter Anlass, um auf die wichtigsten Entwicklungen dieser Reise zurückzublicken.
Die ersten Schritte... dann ein schneller Start
Die Einführung neuer Dienste (RERO ILS, SONAR) war für RERO+ auch die Gelegenheit, die IT-Infrastruktur zu modernisieren: mit der Einrichtung neuer virtueller Server und der Einführung der « Dockerisierung » (Containerisierung) für die Bereitstellung bestimmter Softwarekomponenten. Trotz der Risiken, die mit einer so grundlegenden Veränderung verbunden waren und auch die Einführung zahlreicher neuer Technologien umfassten, war die Entscheidung klar: Dieser Übergang erforderte einen grundlegenden Technologiewechsel. Das IT-Team brauchte daher mehrere Tage, um sich mit all diesen Neuerungen im Produktionsbetrieb vertraut zu machen und die richtigen Einstellungen zu finden, um die erwartete Leistung zu erzielen. Eine Stabilisierungsphase war somit nötig, mit gewissen anfänglichen Leistungseinbussen, doch die erwartete Servicequalität wurde rasch erreicht.
Auf der Seite der Softwareentwicklung war das Tempo bereits in den ersten Monaten des Produktivbetriebs hoch: Im März 2022, kaum acht Monate nach dem Go-live, hatte RERO ILS bereits « fünf grosse Schritte » nach vorne gemacht und rund 160 von den Bibliotheken gemeldete Probleme behoben. (« RERO ILS: eine Bilanz nach 8 Monaten im Produktivbetrieb », 10.03.2022). In dieser Zeit entstanden zwei grosse neue Module:
2022: Öffnung und Bereicherung
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Neues Modul: Erwerbungen. Einführung einer umfassenden Bestellverwaltung: Bestellungen bei Lieferanten, Eingangskontrolle und Verwaltung der Budgetkonten. Dieser erste Baustein wurde im Laufe der folgenden Versionen weiter ausgebaut (Budgetübertrag, Kostenverwaltung, CSV-Export usw.).
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Neues Modul: Statistiken. Zugriff pro Bibliothek auf 10 Schlüsselindikatoren, mit monatlichen und jährlichen Berichten — der erste Schritt zu einem Modul, das 2023 vollständig konfigurierbar werden sollte.
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Export in ein Literaturverwaltungsprogramm: Datensätze können nun im RIS- oder JSON-Format exportiert und mit Zotero, EndNote oder Citavi verwendet werden.
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Erweiterte Suchfacetten (Filter online/physisch, neue Facetten nach Jahr, Gattung/Form und Zielpublikum) sowie eine Liste verknüpfter Dokumente, um einfach zwischen einem Datensatz und seinen Artikeln oder Bänden zu navigieren.
Im Sommer 2022 gab der erste Jahrestag Anlass zu einer Zufriedenheitsumfrage unter rund hundert Bibliothekar*innen des Verbunds: Etwa 60% zeigten sich damals eher zufrieden mit dem System. Besonders hervorgehoben wurden die Ausleih- und Katalogisierungsfunktionen sowie die Benutzerfreundlichkeit der neuen Oberfläche — sie wurde als modern, intuitiv und deutlich angenehmer als das frühere System beurteilt.
2023: mehr Feinheit, mehr Autonomie
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Überarbeitung der Personalrollen: Übergang zu granularen Berechtigungen (Katalogisierung, Ausleihe, Erwerbungen, Leserverwaltung usw.), die je nach Bedarf jeder Bibliothek frei kombinierbar sind.
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MEF–RERO-ILS-Synchronisation zur Stärkung der Mehrsprachigkeit. Bisher wurden Normdaten (Autor*innen, Sachschlagwörter) nur bei der Erstellung eines Links in einem Datensatz aus MEF (Multilingual Entity File, intern entwickelt) importiert. Ein automatischer Synchronisationsmechanismus stellt nun sicher, dass jede Änderung in den externen Normdateien (IdRef, GND) — etwa die Zusammenführung zweier Entitäten — sich direkt in RERO ILS widerspiegelt.
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Verwaltung lokaler Entitäten. Bibliotheken, die MEF nicht nutzen, können nun ihre eigenen Entitäten (Personen, Körperschaften, Sachschlagwörter, Orte, Werke) direkt in RERO ILS katalogisieren und verwalten, ergänzend zu den Links auf externe Normdateien.
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Individuelle Konfiguration von Statistikberichten. Bibliothekar*innen können ihre eigenen Berichtskonfigurationen erstellen und bearbeiten (Wahl eines Indikators, Filter, Kombination von Daten), mit automatischer Erstellung monatlicher oder jährlicher CSV-Berichte.
2024: Suche, digitale Bibliothek und Mehrsprachigkeit
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Erweiterte Dokumentensuche. Ein geführtes Formular ermöglicht den Aufbau einer Expertenabfrage durch Kombination von Feldern und booleschen Operatoren, ohne deren Syntax kennen zu müssen.
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Navigation über Entitäten. Ein Klick auf einen Autorin, ein Sachschlagwort oder eine andere mit einem Datensatz verknüpfte Entität öffnet direkt eine Suche nach allen damit verbundenen Dokumenten.
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Hinzufügen von Dateien zu Bibliotheksdokumenten. Katalogisierende Bibliothekarinnen können nun Dateien zu einem Datensatz hochladen, mit Vorschau und Miniaturansicht für Bilder und PDFs sowie einer Volltextsuche in deren Inhalt. Diese Funktion ersetzt den bisherigen Dienst RERO DOC für RERO+-Kundinnen. Die Übergangsphase wurde eineinhalb Jahre später mit der endgültigen Schliessung von RERO DOC Ende 2025 abgeschlossen. RERO ILS und SONAR haben dessen Funktionen inzwischen vollständig übernommen. (siehe « RERO DOC übergibt den Staffelstab, die Entdeckung geht weiter »)
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Anreicherung von Dokumenten mit Babelio. Dank des Dienstes Babelthèque können Datensätze dynamisch Leserrezensionen, verwandte Dokumente und Tags von Babelio anzeigen.
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Automatische Ausleihverlängerung: Kein Grund mehr, sich wegen eines vergessenen Rückgabetermins Sorgen zu machen — Verbünde und Bibliotheken können nun die automatische Verlängerung aktivieren.
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Datenmigrationsmodul. Neue Bibliotheken, die einem RERO-ILS-Verbund beitreten, erhalten ein Werkzeug zur Prüfung der Qualität ihrer Datenkonvertierung sowie anschliessend einen Mechanismus zur Dublettenerkennung, der automatisch nach Übereinstimmungen in der bestehenden Datenbank sucht — was den manuellen Prüfaufwand erheblich reduziert.
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Deutsche Sachschlagwörter und Orte (GND). Eine neue MEF-Version ermöglicht die gleichzeitige Indexierung auf Französisch und Deutsch in einem einzigen Arbeitsschritt, ohne dass beide Sprachen beherrscht werden müssen: Ein mit RAMEAU auf Französisch erschlossenes Sachschlagwort wird, sofern eine entsprechende Verknüpfung besteht, automatisch mit seinem deutschen Äquivalent aus der GND ergänzt — und umgekehrt. Dieses auf Wunsch der Médiathèque Valais durchgeführte Projekt kommt insbesondere ihren Beständen mit wenig oder keinem Textinhalt zugute (fast 45'000 Bilder und 27'000 Notenausgaben), die nun in beiden Sprachen über Sachschlagwörter recherchierbar sind.
2025-2026: neue visuelle Kapitel
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Vollständige Überarbeitung der Benutzeroberfläche: Migration zu Angular 19, PrimeNG und Tailwind CSS anstelle von Bootstrap — ein mehrmonatiges Projekt, das das Erscheinungsbild der Anwendung modernisiert und ihre künftige Weiterentwicklung vereinfacht.
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Anzeige des Barcodes direkt im Leserkonto.
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Neuer, nun quelloffener Mechanismus zum Abrufen von Coverbildern.
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*Automatische Löschung inaktiver Leserinnen**, gemäss von jeder Bibliothek individuell festlegbaren Kriterien.
Wie entwickelt sich der Dienst weiter?
Seit seiner Einführung bleibt RERO ILS seinem Open-Source-Ansatz treu. Der Quellcode ist frei zugänglich, die Entwicklungsarbeit transparent, und die umgesetzten Verbesserungen kommen der gesamten Community zugute.
Mit einem konstanten Rhythmus von durchschnittlich vier Versionen pro Jahr wird RERO ILS entsprechend den Bedürfnissen der Bibliotheken weiterentwickelt. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der Stiftung und ihren Kundinnen und Partnerinnen ermöglicht es, die Entwicklungsarbeit auf deren Anliegen zu konzentrieren.
Äussert eine Bibliothek einen Bedarf, werden die Spezifikationen gemeinsam erarbeitet. Sobald die Entwicklung von allen Parteien bestätigt ist, ist der Zyklus aus Entwicklung, Tests und Bereitstellung in der Regel kurz (3 bis 6 Monate), sodass die Funktion rasch produktiv genutzt werden kann. Diese partizipative Vorgehensweise erlaubt es zudem, die Entwicklungsprioritäten laufend anzupassen.
Die Nähe zwischen der Stiftung und ihren Kundinnen und Partnerinnen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor dieses Modells: In der Praxis funktionieren sie wie ein einziges Team.
Was man nicht sieht
Hinter den sichtbaren Meilensteinen jeder neuen Version steht eine kontinuierliche, weniger spektakuläre, aber ebenso wichtige Arbeit: die Stabilisierung und Optimierung der Performance, das Sicherheitsmanagement, Datenmigrationen zwischen den Versionen, interne Überarbeitungen, die Aktualisierung technischer Abhängigkeiten sowie Fehlerbehebungen. Einen beträchtlichen Aufwand erfordert zudem, die IT-Infrastruktur und die Software dauerhaft auf einem aktuellen technischen Stand zu halten.
Diese unverzichtbare Grundlagenarbeit trägt wesentlich dazu bei, dass sich RERO ILS auch fünf Jahre nach seiner Einführung kontinuierlich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren kann, die das System täglich nutzen.
5 Jahre, danke!
Danke an alle Bibliotheken, Bibliothekarinnen und Entwicklerinnen, die RERO ILS seit fünf Jahren mit Leben füllen!